Springer-Presse konspiriert für Assad gegen Türkei

„Rauch steigt auf der syrischen Seite der Grenze empor: Die türkische Luftwaffe hat hier einen syrischen Hubschrauber abgeschossen, er soll das Hoheitsgebiet verletzt haben. Getroffen von Raketen stürzte er ab.“ (Hervorhebungen: TF)

controlSo kommentierte Die Welt am 16.09. anhand eines Fotos den Abschuss eines Hubschraubers der Assad-Truppen vom Typ Mi-17. Der Assad-Flieger war nach Angaben türkischer Regierungsstellen am selben Tag in den türkischen Luftraum eingedrungen und wurde von türkischen F-16 Kampfflugzeugen abgeschossen. Interessant ist die ‚Analyse‘ des Springer-Blatts; noch bevor das Assad-Regime eine Verlautbarung über den Zwischenfall herausgab propagierte Die Welt den Standpunkt des Regimes aus Damaskus. Erst am Folgetag berichtete die internationale Presse was das Assad-Regime zum Abschuss verlautbaren ließ. Demnach war die Assad-Maschine „versehentlich“ in den türkischen Luftraum eingedrungen und erst nachdem sie wieder über syrischem Boden flog von türkischen Kampfflugzeugen abgeschossen worden. In diesem Tenor („Türkei provoziert Syrien mit Helikopter-Abschuss“) ist der Welt-Artikel von Boris Kalnoky abgefaßt. Der Springer-Journalist schein derzeit ohnehin überall Verschwörungen der türkischen Regierung zu (t)wittern. Einen Tag später berichtete Kalnoky in Panik-Stimmung über „6000 Rufmörder“ die der türkische Ministerpräsident gerade an der Internet-Propaganda-Front in Stellung gehen läßt um „Hashtag-Kriege auf Twitter zu gewinnen“. Kalnoky kann als ‚Urgestein‘ innerhalb des Springer-Blatts eingestuft werden. Seit 1987 schreibt der Abkömmling ungarischer Migranten für Die Welt. (Eindeutig zuviel Zeit um nicht als Springer-Geschädigt zu gelten.)

Kalnokys Welt-Artikel vom vergangenen Montag trieft geradezu vor antitürkischen Ressentiments. Zunächst widerspricht Kalnoky aber dem (wohl redaktionell eingefügten) Fotokommentar seines Auftraggebers. Kalnoky: „Die Regierung in Ankara bestätigte, dass der Helikopter auf syrischem Gebiet niedergegangen sei – unklar ist, ob er auch dort abgeschossen wurde. Ob er türkischen Luftraum verletzt habe, konnte bislang nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.“

Der aufgeweckte Welt-Leser erfährt nun dass es „unklar“ sei ob der Assad-Helikopter „hier“ (also im syrischen Luftraum, wie der Fotokommentar suggeriert) abgeschossen wurde. Zudem wirkt Kalnoky auch noch ziehmlich lächerlich wenn er über das Ausbleiben einer Bestätigung der türkischen Version „von unabhängiger Seite“ schreibt; seit Ausbruch des Syrischen Kriegs verweisen alle seriösen Medien quasi bei allen Berichten aus Syrien auf das Fehlen unabhängiger Berichterstattung. Kalnoky kennt scheinbar mindestens eine „unabhängige Seite“ in Syrien die der Weltöffentlichkeit bisher verborgen geblieben ist.

Weiterhin verwirrt textet Kalnoky: „Auch war nicht klar, ob die syrische Maschine, wie Arinc sagte, „zwei Kilometer lang“ den türkischen Luftraum verletzte, also zeitlich so lange, wie der Hubschrauber bräuchte, um 2000 Meter zurückzulegen, oder ob er „zwei Kilometer tief“ auf türkisches Gebiet vordrang, wie manche Medien berichteten.“ Tatsächlich sprach der Stellvertreter des türkischen Ministerpräsidenten Bülent Arınç (youtube-video, ca. 18:55-20:35 Min.) in seiner ersten Stellungnahme während einer Pressekonferenz (16.09.) unmissverständlich vom Eindringen des Assad-Helikopters in den türkischen Luftraum. Arınç äußerte auch das der Helikopter 2 Kilometer weit in die Türkei eingeflogen sei. Kalnokys ’sprachphilosophische‘ Spekulationen (die wohl technisches Expertentum vorgauckeln sollen) könnten auf fehlende Kenntnisse der Türkischen Sprache gründen. Zählt man aber die bisherigen manipulativen Punkte zusammen bleiben eigentlich nur noch gezielte Desinformation und berufliche Inkompetenz übrig (freilich könnten bei Kalnoky auch beide Möglichkeiten Hand in Hand gehen).

Aber Kalnoky dreht weiter am Rad: „Die mediale Ausschlachtung auf höchster Ebene durch zunächst Arinc, und dann wenig später Außenminister Ahmet Davutoglu, deutete auf gute Koordination hin. Davutoglu klang fast kriegerisch, als er verkündete, niemals werde sich fortan ein Land erfrechen, den türkischen Luftraum zu verletzten.“

Wer sich selbst ein Bild über die „mediale Ausschlachtung auf höchster Ebene“ machen will sollte die jeweils knapp zweieinhalbminütigen Presseerklärungen von Arınç (siehe oben) und des türk. Außenministers Davutoğlu (der sich zu dem Zeitpunkt in Paris befand) ansehen. Klingt das etwa „fast kriegerisch“ oder nach „medialer Auschlachtung“?

Von einem möglichst objektiven Journalismus ist Kalnoky Lichtjahre entfernt. Dazu tragen sicher auch seine Quellen bei.

Zum einen beruft sich der Springer-Journalist auf einen  Kurzbericht (den ersten Bericht der Agentur, etwa 20 Minuten nach dem Zwischenfall) der Doğan Nachrichtenagentur. Die Nachrichtenagentur gehört bekanntlich dem türkischen Oligarchen Aydın Doğan bzw. dem Doğan-Clan. Die Doğan-Presse kooperiert seit Jahren eng mit der Springer-Presse. Zwischen beiden Propagandamaschinerien besteht eine strategische Partnerschaft. Doğan ist einer der zahlungsfähigsten Gegner des türkischen Ministerpräsidenten.

Kalnoky nutzt die nebulöse Wortwahl der  Doğan-Agentur um seinem Artikel den Schein von Objektivität zu geben (wer wird denn schon die Originalquellen lesen?).

„Nach einem Bericht der Dogan-Nachrichtenagentur konnten die Piloten zunächst abspringen, sie seien aber danach von syrischen Rebellen umgebracht worden, und türkisches Militärpersonal sei dann „in das Gebiet gebracht worden“. Demzufolge landeten die Piloten auf syrischem Gebiet, das von zumeist islamistischen Rebellen kontrolliert wird, die teilweise von der Türkei unterstützt werden.“ schreibt Kalnoky.

Die (erste) Kurzmeldung der Doğan Nachrichtenagentur spricht zunächst nur davon dass türkisches Militärpersonal „am Ort des Geschehens eingetroffen“ sei. Aus dem Wortlaut der Agenturmeldung geht keinesfalls hervor auf welcher Seite der Grenze sich das türkische Militärpersonal eingefunden habe; hierbei bleibt die Agentur des Oligarchen (sprachlich) schon etwas diffus. Am Abend des 16.09. berichtet die Doğan Nachrichtenagentur dann der Helikopter sei „400 Meter von der Grenze entfernt getroffen worden“; also wohl 400 Meter von türkischem Boden entfernt auf syrischer Seite?

Jedenfalls ist Kalnoky schnell auf diese Steilvorlagen des strategischen Partners aus der Türkei eingesprungen. (Kalnokys journalistisches ‚Können‘ kann auch hier besichtigt werden.)

Der zweite strategische Partner Kalnokys (bzw. der dritte im Bunde) ist der US-Amerikaner Gareth Jenkins. Jenkins ist nebenberuflich selbsternannter „Islamexperte“. In diversen Publikationen (in deutscher Übersetzung erschienen Artikel von Jenkins bei diesem Blatt)  schreibt Jenkins für etwa ein Dutzend sogenannter Denkfabriken und ist bekannt als Vertreter der geopolitisch begründeten Seidenstraßenstrategie. Der Kalnokyschen Sprachreglung zufolge ist Jenkins „wohl der anerkannteste Experte zur türkischen Sicherheitspolitik“. Jedenfalls hält der US-Experte es für möglich dass die Türkei den jüngsten Deal zwischen den USA und Russland zur Frage der Evakuierung von Assads Chemiewaffenarsenal torpedieren wolle. Die Türkei drängt nach wie vor auf eine schnellstmögliche Entmachtung Assads. Der Westen scheint aber an einer Entmachtung Assads kein Interesse (mehr) zu haben – derweilen geht das Morden in Syrien weiter.

Und genau aus diesem Grund „provoziert“ die Türkei Assads Syrien!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s