CIA versucht strategisch zu denken

In einem Interview für den US-Sender CBS (15. September 2013) sprach einer der dienstältesten CIA-Mitarbeiter über die neuste US-Strategie im Syrischen Krieg.

intellMichael Morell, der nur wenige Wochen vor den jüngsten Giftgasangriffen des Assad-Regimes von seinem Posten als stellvertretender CIA-Direktor zurücktrat, redet zwar aus dem Nähkästchen aber wohldosiert. So erfährt man dass die Hauptsorge der CIA bezüglich Syrien einer „Afghanisierung“, d.h. Etablierung von Al-Qaida und ähnlicher Gruppen in dem Land gilt und diese Sorge von Präsident Obama „sehr ernst genommen“ wird. Doch ab wann die CIA bzw. US-Administration diesen Kurs einschlugen verschweigt Morell.

Zu Beginn des Syrischen Kriegs hatten die USA relativ schnell auf einen Sturz des Assad-Regimes hingearbeitet – endlich traf der „Arabische Frühling“ mal einen erklärten Feind der USA. Durch die einhellige und direkte Unterstützung der Assad-Gegner durch die USA, die Türkei und Saudi-Arabien mit Waffen und geheimdienstlichen Informationen konnten dem Assad-Regime empfindliche Schläge versetzt werden. Mehrere ranghohe Assad-Leute wurden eliminiert, die Freie Syrische Armee konnte weite Teile des Landes befreien. Im Westen wurde mit dem baldigen Ende des Assad-Regimes gerechnet. Irgendwann aber – vielleicht ab Ende 2012-Anfang 2013 – änderte sich die Einstellung Washingtons.

Die Furcht der Amerikaner Syrien könnte zu einem weiteren Afghanistan, Irak, Somalia, Libyen oder Mali werden war der ausschlaggebende Faktor. In allen diesen muslimischen Ländern haben sich die Amerikaner und Verbündete in Abenteuer verwickelt die aus militärischer, politischer und wirtschaftlicher Sicht desaströs sind. „Die einzige Weltmacht“ hat den Bogen derart überspannt dass sie nun selbst – auf eigenem Boden – von einer „Afghanisierung“ nicht mehr weit entfernt ist.

Die Zeiten des „hard power“ sind vorbei. Mit „soft power“ versuchen die Amerikaner in der Außenpolitik zu retten was noch zu retten ist. Washington braucht verlässliche Verbündete im Nahen Osten. Deshalb spricht sich der CIA-Mann Morell für den staatlichen Erhalt Syriens aus um amerikanische Interessen weitgehend abzusichern. Lieber sehen die Amerikaner einen Assad an der Macht als eine islamistische Regierung  in Damaskus.

Während der Journalist John Miller im Interview mit Morell noch eine andere Ansicht us-amerikanischer Geheimdienst-Analysten erwähnt, die im Gegensatz zu Morell einen möglichst langen (Stellvertreter-)Krieg in Syrien befürworten (über die Zielsetzung dieser Argumentation schweigt sich der US-Journalist leider aus), spricht sich Morell strikt gegen diese Position aus. Morell zufolge müssen die USA ein Gleichgewicht der Kräfte zwischen dem Assad-Regime und der Oppsition sichern um somit beide Seiten zu einer Verhandlungslösung zu leiten. Dabei verweist Morell ausdrücklich auf den Erhalt militärischer und geheimdienstlicher Institutionen Syriens um Al-Qaida effektiv bekämpfen zu können. (Im Endeffekt läuft das natürlich auch auf den personellen Erhalt dieser Institutionen aus; damit würden die Kriegsverbrecher des Assad-Regimes straffrei davon kommen.)

Diese Ausrichtug scheint sich inzwischen in Washington auf breiter Front durchgesetzt zu haben. Dafür gibt es einige konkrete Hinweise. So beklagt sich die Freie Syrische Armee schon seit Monaten über ausbleibende bzw. unzureichende Waffenlieferungen aus dem Westen (was auch aufgrund von Recherchen des CBS in Syrien bestätigt wird, wie Miller während des Interviews anmerkt). Und auch die – ‚in letzter Sekunde‘ – abgeblasene militärische Operation der Amerikaner gegen das Assad-Regime spricht für die Befolgung der Morellschen Ansichten. Ein auch nur wenige Tage währender militärischer Einsatz gegen Assad hätte die militärische Situation zugunsten der Freien Syrischen Armee wenden können.

Und schließlich ist diese US-Strategie auch den Schutzmächten des Assad-Regimes äußerst willkommen. Russland und der Iran können mit einer solchen Lösung sehr gut leben. In dieser Hinsicht waren Morells Worte gegenüber CBS ein deutliches Augenzwinkern in Richtung Moskau und Teheran.

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