Interview mit John Perkins

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2005 erregte Perkins mit seinen „Bekenntnissen“ auch in Deutschland einiges Aufsehen. Im deutschsprachigen Raum wurde es dann aber schnell wieder sehr still um den ehemaligen Economic Hit Man (auf Deutsch in etwa: „Wirtschaftsattentäter“, „Wirtschaftskiller“). Aus Anlaß des „Human Resources Summit 2014“ besuchte Perkins die Türkei. Mehrere türkische Zeitungen und Fernsehsender führten Interviews mit Perkins. Hier Auszüge (Übersetzung TF) aus dem Interview des türkischen TV-Senders A Haber mit Perkins:

Für welche Firmen haben sie als Economic Hit Man gearbeitet?

Angestellt war ich nur bei einer Firma. Das war die Bostoner Beraterfirma Chas. T. Main mit etwa 2000 Mitarbeitern. Dort war ich dann Abteilungsleiter, zuständig für Wirtschaftsfragen, mit 50 Leuten die mir unterstellt waren. Wir waren eine einflußreiche Beraterfirma. Im Kontrast dazu war die Firma nur wenig bekannt. Fast geheim. Alles im Rahmen der Gesetze. Aber wir waren sehr darauf bedacht nicht in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten. Als Berater arbeiteten wir für viele andere Firmen. Im Rahmen meiner Tätigkeit habe ich meistens für die Weltbank, den IWF, die Asiatische Entwicklungsbank, Interamerikanische Entwicklungsbank und eine Reihe weiterer Banken gearbeitet.

Was denken Sie über das angelsächische Finanzimperium?

In jünster Zeit wissen wir mehr darüber dass der Londoner Finanzmarkt vieles kontrolliert. Wir sehen auch jetzt im Zuge der Währungsabwertung in der Türkei die Macht des Bankensektors in London. Dieses Kontroll- und Machtsystem stammt zwar aus London, ist aber heute eng mit der FED und der Wallstreet verknüpft. Bei den Leute die diesen Banken in New York oder London oder auch in Tokyo oder Hongkong vorstehen handelt es sich um Dynastien die eng miteinander vernetzt sind. In letzter Zeit sieht das alles London-zentriert aus. Aber wenn sie mich fragen, dann ist London eher ein Verteiler, ein Knotenpunkt. Das System ist viel größer als man derzeit erkennen kann.  (…)

In den USA erleben wir seit einigen Jahren eine Patsituation. Also eine Situation im Parlament in der es keinen Gewinner und keinen Verlierer gibt. Aber dies ist beabsichtigt. Die Konzer-Bosse finanzieren sowohl die Republikaner wie auch die Demokraten. Wenn es für oder gegen etwas geht, werden beide Seiten gleichmäßig aufgerüstet. So werden neue Gesetze verhindert. Denn die momentanen Gesetze sind genau das was die Firmokratie braucht. (…) Was sie wollen ist ein schwaches und paralyisiertes Parlament. Die Konzerne haben kein Interesse an einem starken parlamentarischen Entscheidungsträger. Sie wissen das die gegenwärtige Gesetzeslage zu ihren Gunsten ist und sie wollen das es auch so bleibt. Und um noch einen Schritt weiter zu gehen, können wir sagen dass es in Europa eine vergleichbare Situation gibt. Die Konzerne wollen keine starke Europäische Union. Eine geeinte Europäische Union ist absolut nicht im Sinne der Konzerne. (…)

Zum erstenmal in der Menscheitsgeschichte gibt es ein globales Imperium. Es handelt sich nicht um ein amerikanisches Imperium, es ist kein nationales Imperium. Es handelt sich vielmehr um ein Imperium der Konzerne. Diese Konzerne regieren die Welt, oder versuchen es zumindest. Auf der anderen Seite gibt es aber einen stetig steigenden Widerstand. Deshalb haben die Konzerne noch nicht ihr Ziel erreicht. Kein Imperium hat jemals sein Ziel absolut erreicht. Deshalb können wir mit einiger Berechtigung darauf hoffen dass auch dieses Imperium in sich zusammenfällt. Aber das erklärte Ziel der Konzerne ist die totale Macht. Als Führung oder Katalysator der Konzerne  fungieren die Banken bzw. große Finanzgruppen. Zu diesem Konglomerat gehören große Industriezweige wie die Agrarindustrie, Ölindustrie, Chemieindustrie aber auch Textilkonzerne und Großhandelsgesellschaften. Aber die treibende Kraf ist natürlich die Geldwirtschaft. Deshalb haben hier die Banken und Finanzgruppen eine führende Position. Es handelt sich wirklich um nichts weniger als die Gründung eines Imperiums. Als Economic Hit Man war ich ein Teil davon; der Idee zum ersten mal in der Menschheitsgeschichte ein Imperium aufzubauen ohne massiv (kostspielige)  militärische Mittel einzusetzen.

Vor einigen Wochen hat eine Nachricht in den USA ein ziehmlich großes Echo ausgelöst. Wie das in der Türkei aufgenommen wurde weiss ich nicht. Die Nachricht dass 85 Personen mehr als die Hälfte des weltweiten Reichtums gehören. Das ist das Ziel und sie haben es weitgehend erreicht. Ein quasi feudalistisches System. (…)

Kennen Sie Wirtschaftsattentäter die in der Türkei eingesetzt wurden?

Nein. Ich selbst habe nie in der Türkei gearbeitet. Ich war im Iran, in Kuwait, in Saudi-Arabien und einer Reihe von Anrainerstaaten tätig. Aber nie in der Türkei. Deshalb habe ich diesbezüglich keine persönlichen Erfahrungen. Das es auch in der Türkei Wirtschaftsattentäter waren, davon bin ich überzeugt. Sie kommen sicher auch immer noch. Mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Schakale. Aber wie ich schon sagte, weil mir diesbezüglich selbst nichts spezifisches bekannt ist, kann ich darüber nichts genaues sagen.

Kann die Türkei den Hauptstrom der arabischen Petro-Dollars von London in die Türkei umleiten?

Schwierig. Sehr schwierig. Einen Teil vielleicht. Aber seien wir realistisch. Die Engländer haben eine lange Tradition auf diesem Gebiet. Und da sind natürlich auch die USA und Europa. Das ist ein regelrechter Kriegsschauplatz. Ich weiss nicht wieviel sich Ankara von diesem Kapital nehmen kann. Aber meiner Meinung nach wäre es einen Versuch wert. Die Machtverhältnisse müssen sich ändern. Als ich vor zweieinhalb Jahren zum erstenmal in die Türkei kam, habe ich oft gehört dass viele Menschen im Nahen Osten die Türkei als Modell sehen würden. Durch die Korruptionsskandale und davor wegen den Protesten hat dies etwas Schaden genommen.

Die Türkei sollte den Machtkampf zwischen der Regierung und einigen Konzernen sowie die Spannungen zwischen gewissen Bevölkerungsteilen ernsthaft analysieren. Wenn die Türkei politische Stabilität garantieren kann, dann sehe ich kaum ein Hindernis dafür wieso sie nicht die Führungsmacht im Nahen Osten werden sollte. Ich persönlich würde eine solche Entwicklung gerne sehen. London, andere Teile Europas und die USA haben bisher sehr große Vorteile aus dem Nahen Osten gezogen. Sie haben hier sehr viel Macht angesammelt. Es ist Zeit für eine Machtverschiebung. Die Türkei ist dafür ein idealer Ort.

Die Türkei ist in einer hervorragenden Position. Das Land hat eine immer stärker werdene wirtschaftliche Struktur. Eine gute Reputation, arbeitsame Menschen mit vielen Talenten und guter Bildung. Ein Land das eine strategische Schlüsselstellung zwischen Asien und Europa hat. Alles zusammengenommen, kann die Türkei in diesem Raum eine starke Führungsrolle übernehmen. Wie es ja auch in der Vergangenheit der Fall war. Dafür muss die Türkei aber ihre Innenpolitik auf einen guten Weg bringen.

Herr Perkins, der Chef einer der wichtigsten türkischen Holdings rief dazu auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Land zu lassen. Ist ein solcher Vorgang normal?

Auch das ist eine Aktion um dem Land zu schaden. Koç versucht den IWF in die innenpolitische Auseinandersetzungen einzubeziehen. Denn das kann nur der Regierung schaden. Der IWF ist ein Raubritter. Der IWF ist der allerletzte Hafen in den man sich flüchten sollte. Der IWF wird von der Türkei verlangen noch mehr staatliche Betriebe zu privatisieren. In der Vergangenheit hat die Türkei das ja auch gemacht. Der Telekommunikationssektor wurde ja privatisiert. Der IWF ist immer für Privatisierung. Denn dann können die großen Konzerne kommen, einkaufen und die Kontrolle übernehmen.

Der IWF ist ein Teil der Firmokratie. Koç ist ebenfalls ein Teil der Firmokratie und ein Gegner der Regierung Erdoğan. Deshalb finde ich es sehr Bedeutend dass Koç den IWF in der Türkei sehen will. Regierung und Volk in der Türkei sollten sich davor hüten den IWF ins Land zu lassen. Der IWF würde die Türkei bis aufs Hemd ausziehen. Das ist deren Geschäft.

In den letzten Jahren gibt es einige Erfolgsgeschichten im Kampf gegen den IWF. In Island und Equador. Beide Länder haben Zahlungen an den IWF verweigert. Das waren hohe Beträge. Über Island weiss ich jetzt nichts genaues. Aber Equador hat 3,5 Milliarden Dollar nicht gezahlt. Letztendlich haben beide Länder die Zahlungen verweigert. Sie haben bestimmte Kreditverträge nicht anerkannt. Der IWF hatte mit vormaligen Regierungen dieser Länder Verträge abgeschlossen. Diese Regierungen repräsentierten keine demokratische Entscheidung über die Annahme dieser Kredite. In Equador sagte Präsident Rafael Correa, diese Kreditverträge seien auf Druck des Economic Hit Man John Perkins und der CIA von der damaligen Junta unterzeichnet worden. Mit Rafael Correa verband mich dann später eine gute Freundschaft, wir stehen auch im Briefwechsel miteinander. Correa sagte: „Das equadorianische Volk weiss nichts von diesen Verträge. Geld sahen nur der IWF und die Junta. Leute die inzwischen das Zeitliche gesegnet haben oder ihren Ruhestand in Miami verbringen. Oder vielleicht hat John Perkins das Geld. Aber das Volk von Equador hat mit diesen Geschäften nichts zu tun.“

Auch Island hat genau dasselbe getan. Sie sagten einfach „Wir zahlen nicht!“ Genau das habe auch ich den Isländern vorgeschlagen. Sie haben schließlich eine Volksabstimmung durchgeführt und sich mit 90% gegen irgendwelche Rückzahlungen entschieden. Genauso habe ich auch in Irland dafür geworben. Aber die Iren entschieden sich bei einer Volksabstimmung mehrheitlich für Rückzahlungen. (…)

Was ich der Türkei raten kann ist: Nehmt kein Geld vom IWF an. Zahlt auch keine Kredite an den IWF zurück, die von Regierungen ohne demokratische Legitimation ausgehandelt wurden. Ich denke solche gravierenden Entscheidungen können nur aufgrund von Volksabstimmungen legitimiert sein. (…)

Mehr zum Thema:

derFreitag: Schakale und Sklaven – Säulen des Imperiums 

taz: „Ich war ein Wirtschaftskiller“

Deutschlandfunk: „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ – John Perkins war Wirtschaftskiller im Auftrag des US-Geheimdienstes 

Video: John Perkins über seine Aktivitäten als Wirtschaftsattentäter in Lateinamerika

Kurzbericht über John Perkins und die Geheimoperationen der USA (3sat, Kulturzeit)

„Im Dienst der Wirtschaftsmafia – Ein Geheimagent packt aus“ (TV-Doku, ORF2)

Persönliche Web-Seite von John Perkins hier

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Die Ökonomie als Fortführung der Politik mit anderen Mitteln

KursZu Weihnachten 2013 bescherte der „Finanzdienstleistungssektor“ einer, wie so oft, ahnungslosen „Öffentlichkeit“ einen weiteren Skandal. Diesmal ging es  (wieder) um die Referenzzinssätze LIBOR, EURIBOR sowie die Wechselkurse auf dem Devisenmarkt. Schon vor knapp zwei Jahren geisterten diese Begriffe im Zusammenhang mit internationalen Finanzmanipulationen durch die Medienlandschaft. Zwischenzeitlich intervenierten weder Finanzaufsichtsbehörden noch Politiker ernsthaft gegen solche kriminellen Energien. Um wenigstens den Schein von Handlungsfähigkeit zu wahren verhängte die EU-Komission diesmal immerhin einige „Strafen“. Fragwürdig bleibt nach wie vor ob sich Banken wie die Deutsche Bank, Société Générale, Royal Bank of Scotland,  JP Morgan oder Citigroup in Zukunft von solchen „Geschäften“ fernhalten werden.

Allein auf dem Devisenmarkt sollen täglich 3,5 Billionen Euro gehandelt werden. Wer Zugang zu den Kursfestsetzungen hat, kann in diesem Geld-Ozean nach belieben seine Netze auswerfen. Was da mal so nebenbei hängenbleibt, können derzeit auch Experten kaum abschätzen. Die „Rekordstrafen“ (immerhin Millardenbeträge) dürften die „bestraften“ Banken kaum kratzen denn – so hört man nun aus den richtigen Fragen die endlich von Journalisten gestellt werden heraus – die Banken kalkulieren diese („Straf“-)Beträge bei ihren Raubzügen vorab ein.  Die Bank gewinnt immer.

Loser sind andere: Zinsmanipulationen schädigen den Otto-Normalverbraucher und über die Manipulationen von Devisenkursen können ganze Staaten im Mitleidenschaft gezogen werden.

Ähnlich wie beim NSA-Skandal müssten jetzt Politiker auch den Banken sagen dass man doch bitteschön nicht alles tun soll was technisch machbar ist. Vom Comedy-Effekt einmal abgesehen, sollte diese Assoziation zu denken geben. Was Banken können (Manipulation digitaler Systeme), können Geheimdienste schon lange. Für Geheimoperationen gegen Feindstaaten bzw. unangenehme Regierungen bieten Finanzmanipulationen ein unschätzbares Mittel. Jeder halbwegs ernstzunehmende Geheimdienst wird, neben der schon klassischen Wirtschaftsspionage, eine Spezialabteilung für solche Operationen haben. Damit ließen sich nicht nur Gegner effektiv angreifen; auch die Finanzierung solcher Operationen wäre „gedeckt“. Und ähnlich wie bei Internetdienstleistern und Hackern könnten Banken und Banker (freiwillig oder weniger freiwillig) den Geheimdiensten als „Medium“ dienen.

Als der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan während der versuchten Farbrevolution auch transnationale Finanzzirkel (Zinslobby) für die Gewaltorgien verantwortlich machte, wurde er reflexartig als Verschwörungstheoretiker stigmatisiert. Niemand schien sich zu wunder wie etwa türkische Privatbanken dazu kamen einen vordergründig ökologisch motivierten Protest zu unterstützen (man stelle sich vor: die Deutsche Bank würde Aktivisten der Anti-Castor-Proteste unterstützen!). Das Erdoğan dann sogar den „Tod des Neoliberalismus“ ausgerufen hat, ist ein Anzeichen dafür vom wem er seine Regierung mit dem Rücken an die Wand gedrückt sah.

Ohne Zweifel verdankt Erdoğan seine politischen Erfolge seit 2002 einer – atlantisch abgesegneten – neoliberalen Agenda. Somit kann ihm bzw. seiner AKP nur ein „kalter Entzug“ des billigen Geldes das Genick brechen. Erdoğan sitzt schon zu lange im neoliberalen Boot als dass er einfach so aussteigen könnte. Seine Rede vom „Tod des Neoliberalismus“ ist vielmehr die Flucht nach vorne; vorab haben ihn nähmlich schon seine bisherigen Sponsoren für „tot“ erklärt. Abtrünnig wurde Erdoğan durch seine immer offensichtlicheren Alleingänge in der Wirtschafts- sowie Außen- und Sicherheitspolitik.

Money-Wars against Turkey

Die Chaostage vom Frühjahr 2013 konnten der Türkei keinen relevanten wirtschaftlichen Schaden zufügen. Der Einbruch erwies sich als kurzfristig. Auf ökonomischer Ebene verpufte die Attacke sehr schnell. Mehrere Faktoren sprachen weiterhin für eine solide  wirtschaftliche Situation der Türkei. So ist etwa das Staatsschuldentempo der Türkei geringer als das der Gesamt-EU. Nachdem der erwartete bzw. herbeigesehnte Bürgerkrieg (die Rede von der Bürgerkriegsgefahr wurde in den westlichen Medien gezielt ausgesät um Investoren in Panik zu versetzen) in der Türkei ausgeblieben war, meldeten westliche Finanzanalysten im Herbst 2013 bestes Anlageklima für die Türkei:

„Gehen wir davon aus, dass es in der Türkei keinen Bürgerkrieg gibt, wird sich der Markt nach einer Konsolidierung mit anschließender Bodenbildung wieder auf die wirtschaftlichen Daten besinnen. Und die sind ordentlich: Die wirtschaftliche Dynamik ist nach wie vor gegeben, ein für 2013 angestrebtes Wachstum von ca. 3,5 bis 4 Prozent ist eine gesunde Basis. Der Bankensektor des Landes darf im Gegensatz zu dem anderer europäischer Staaten als gesund und stabil angesehen werden. Die schwächere türkische Lira hilft der Exportwirtschaft. Dazu wirken sich die sinkenden Rohstoffpreise sehr günstig aus. (…) Zahlreiche Unternehmenstitel an der Börse in Istanbul haben ein sehr attraktives Niveau erreicht, die Wachstumsstory ist intakt, das Rating des Landes derzeit stabil. Wenn die Situation nicht eskaliert, sollten die fundamentalen Daten, die allesamt überzeugend ausfallen, wieder in den Vordergrund rücken und mittel- bis langfristig ein attraktives Potenzial für Investitionen in der Türkei bieten.“

Die Türkei wurde sogar in Sachen Anlagesicherheit und Gewinnmaximierung in einem Atemzug mit skandinavischen Ländern genannt.

Trotz teilweise gravierend verschuldeter türkischer Verbraucher aufgrund der bisherigen neoliberalen Konsum-Politik der Erdoğan-Administration, wurde also kein derartiger Finanzeinbruch erwartet wie derzeit zu beobachten ist.

Die momentane Situation deutet eher auf eine agressive Nachhaltigkeit der politischen und wirtschaftlichen Angriffe gegen die türkische Regierung hin. Dafür spricht nicht zuletzt auch der Mitte Dezember 2013 iniziierte Korruptionsskandal, zu dessen Hauptakteuren ein gewisser Fethullah Gülen aus Pennsylvania/USA gehört. Bekanntlich mündete die Sache in eine kleine Regierungskrise. Der Ministerpräsident entließ mehrer Minister und erlitt durch die mutmaßliche Verwicklung seines Sohnes in den Skandal diesmal auch erheblichen persönlichen Schaden.

Die Kombination aus politischen und wirtschaftlichen Tiefschlägen gegen Erdoğan im Frühjahr und Winter 2013 sind viel zu systematisch als das es sich dabei um Zufälle handeln könnte.

Wem nutzt es?

Medienberichten zufolge „fliehen“ die Anleger aus den kriselnden Schwellenländern in den „sicheren Hafen USA“. Während die US-Regierung noch vor wenigen Wochen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte, stehen US-Staatsanleihen bei den angeblich findigen Anlegern plötzlich hoch im Kurs. Eine hoffnungslose Staatsverschuldung, eine nur schleppend vorrankommende Wirtschaft nach fünf Jahren Banken- und Finanzkrise, zunehmender Vertrauens- und Imageverlust in der Außenpolitik und eine zerissene Innenpolitik; die Amerikaner haben wahrlich allen Grund jeden Cent auf den Weltfinanzmärkten aufzusaugen den sie kriegen können. Dabei spielt der krampfhafte Versuch der Amerikaner den Dollar als Weltleitwährung zu erhalten eine zentrale Rolle.

Deshalb darf es auch nicht verwundern wenn die FED die „Schwellenländerkrise“ ignoriert. Einige wenige Anleger die noch halbwegs kühlen Kopf bewahren sprechen nicht zufällig von einer destruktiven Rolle der FED in der gegenwärtigen Situation. Die amerikanische Zentralbank könnte dabei einfach eine ihrer unrühmlichen Schwächeanfälle haben. Genauso gut (oder schlecht) könnte es sich um die berüchtigte Strategie der „kreativen Zerstörung“ handeln.

Unmittelbar nach den Schockwellen in der Türkei floh das „internationale Kapital“ auch aus Ländern wie Brasilien, Argentinien, Südafrika, Indien oder Indonesien. Das sind nun wirklich keine „peanuts“ der Weltwirtschaft. Und schließlich sprang der Funke sogar auf relativ stabile EU-Länder wie Polen und Ungarn über.

Im Sinne der „kreativen Zerstörung“ kann es sich bei diesem augenscheinlichen Flächenbrannd schlicht um eine gezielte Destabilisierung von Finanz- und Produktionsmärkten der sogenannten Schwellenländer handeln um dadurch die Position der USA aufzuwerten.

Quellen und Verweise:

Wikipedia: Libor-Skandal

Deutschlandfunk: Banken ohne Skrupel – Skandale rund um das Geschäft der Branche

Deutschlandfunk: Bankenskandal – Harte Strafen im Libor-Skandal

Deutschlandfunk: Zinsmanipulation – Eine hausgemachte Finanzpanne

Deutsch-Türkische Nachrichten.de: Türkei macht weniger Schulden als EU-Staaten

 ETF-News: Türkei: Die Börsenschwäche jetzt nutzen

Finanzen.net: ETFs: Türkei und Skandinavien im Fokus

Wallstreet Journal Deutschland: Die Fed zwingt Schwellenländer in die Knie

Zum Thema Zinslobby sei auf das Buch Zinsklau – Wie Banken uns ausrauben verwiesen. Der Journalist (ARD, ZDF) Olaf Kumpfert ist wohl der erste Deutsche vom Fach der Zinsmanipulationen von Banken einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Kumpfert untersucht dabei nicht die internationalen Zinsmanipulationen sondern den quasi alltäglichen Zins-Raubzug deutscher Banken gegen ihre Kundschaft. Zinslobby fängt also „ganz unten“ an. Vor kapp zwei Jahren wurde schon über den „normalen Zinsklau“ berichtet; angeblich machte sich die deutsche Politik damals daran dem Zinsklau bei Dispokrediten entgegen zu treten.