Ukrainisches Roulett

european_rouletteIn der Ukraine überstürzen sich die Ereignisse. Eigentlich war hier ein Beitrag über die „diplomatische“ Krise zwischen USA und EU geplant; nachdem die Top US-Diplomatin Nuland sich bemüßigt sah die Rolle der EU im Kampf um die Ukraine mit dem F-Wort zu umschreiben. Dabei kamen bekanntlich auch einige pikante Verweise auf die Rolle der prowestlichen „Oppositionsführer“ in der Ukraine zu Tage. Die sich überschlagenden Ereignisse in der Ukraine haben diesen „Zwischenfall“ schnell übertüncht. Deshalb sei vorerst auf diesen Klartext zur Nuland-Affäre verwiesen.

Derzeit melden Nachrichtenagenturen im Minutentakt von der Grenze (slawisch „(U)kraina“ bedeutet soviel wie „Grenze, Grenzgebiet“) zwischen zwei geopolitischen „global players“. Die Grundstimmung schwankt zwischen Panik und Hysterie. Die Schlagzeilen werden immer aufgeregter.

Nach gut zwei Monaten permanenter taktischer Winkelzüge scheint die Grenze ‚kontrollierter Destabilisation‘ erreicht zu sein. Nachdem die Einsätze immer weiter erhöht wurden,  mutierte der Poker um die Ukraine plötzlich zum Roulett. Nun könnte durchaus eine Eskalationsspirale einsetzen die auf keiner Rechnung stand. Der Konflikt zwischen USA/EU/NATO auf der einen und Russland auf der anderen Seite bewegt sich in fataler Weise auf einen militärischen Schlagabtausch zu. Im schlimmsten Fall könnte es in der politisch zerstrittenen – weil ethnisch geteilten und ökonomisch ausgesaugten – Ukraine zu einem ‚zweiten Jugoslawien‘ kommen.

Die Mobilmachung der russischen Streitkräfte entlang der Grenze zur Ukraine und der Husarenstreich ‚irregulärer‘ russischer Truppen (mit hoher Wahrscheinlichkeit Angehörige der russischen Schwarzmeerflotte) auf der Krim sind äußerst kritische Momente. Genauso wenig wie in Georgien (2008) wird Moskau in der Ukraine eine geopolitische Machterweiterung des Westens zulassen. Im Gegensatz zur Situation in Georgien – wo die Russen keine territorialen Ansprüche stellen konnten und dies auch nicht taten – ist eine Annexion der westlichen Ukraine und der Krim (beide Landesteile sind mehrheitlich russisch bevölkert) durch Russland keine allzu unwahrscheinliche Option mehr. Aus westlicher Sicht wäre derzeit nur zu hoffen dass Moskau zwar „die Muskeln spielen läßt“ aber nicht wirklich vorhat zuzuschlagen. Im besten Fall könnte der militärische Aufmarsch ein Ablenkungsmanöver sein um auf Zeit zu Spielen – Moskau ginge es demnach lediglich um eine Neuverteilung der (Poker-)Karten.

Schon vor den Unruhen wirtschaftlich schwer angeschlagen, ist die Ukraine heute praktisch Pleite. Das war auch so geplant. Der jüngste EU Vorschlag den IWF einzubeziehen ist nicht zufällig. Über den Assoziationsvertrag mit der EU und den damit verbundenen „Strukturreformen“ hätte der IWF ohnehin das Kommando in Kiew übernommen. Was nicht geplant war, ist das Ausmaß der wirtschaftlichen Zerrüttung und der ungewisse zeitliche Rahmen einer finanziellen Intervention. Laut provisorischer Regierung ist die Ukraine in spätestens zwei Monaten auch faktisch Zahlungsunfähig. Genau darauf wird auch Moskau spekulieren. Dann bräuchten die Russen in zwei Monaten nur genauso viel (oder wenig) Geld wie der Westen zu bieten um ihren Einfluß in der Ukraine zu behalten. Sicher ist aber: beide Seiten werden tief in die Kassen greifen. Der Westen um die praktisch handlungsunfähige provisorische Regierung in Kiew zu stützen und Russland um seine militärischen Manöver zu bezahlen.

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