PEGIDA nach Griechenland!

Angeblich treten die Abendlandretter von PEGIDA für eine gewisse „europäische Identität“ ein. Für „westliche Werte“ wohl. Da kann man zunächst an Überschriften wie „Demokratie“, „Freiheit“ oder „Menschenrechte“ denken. Inzwischen wird Demokratie aber als „Betriebtesssystem des Kapitalismus“ bezeichnet und mit Freiheit kann nur noch die Freiheit des Marktes gemeint sein. Wo dann noch Menschenrechte zu finden sind mag sich jeder selbst zusammenphantasieren.

Vielleicht aber handelt es sich bei PEGIDA gerade um eine Volksbewegung a lá „back to the roots“?

Welche politische, kulturelle, wirtschaftliche etc Vorstellung PEGIDA-Menschen von „Europa“ haben ist weitgehend unbekannt. Nur dass der Islam bzw. Muslime das gute alte Europa kaputt machen; darüber sind sich die Abendlandretter einig. Die Übermacht der Muslime in Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur, Medien etc hat das „Friedensprojekt Europa“ gegen die Wand gefahren. Für diesen extrem Überpropotionalen Einfluß von Muslimen am Schicksal Europas haben PEGIDA-Menschen auch stichhaltige Beweise: So verlesen die Abendlandretter auf ihren Kundgebungen deutschsprachige Übersetzungen aus dem Koran. Das klärt die Öffentlichkeit über die Gefährlichkeit des Islam auf. Jeder PEGIDA-Mensch hält sich da natürlich für theologisch qualifiziert genug. Das darf nicht wundern. Solche Leutchen nehmen auch Wahlprogramme wortwörtlich und taumeln deshalb ihr Leben lang von einem Schock zum nächsten Trauma.

Stichwort Trauma: In Deutschland treten PEGIDA-Menschen besonders konzentriert in Ostdeutschland auf. Der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden dürfen inzwischen als Synonym für PEGIDA angeführt werden. Bekanntlich leidet Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung chronisch an und am Rassismus. Das der Anteil von Ausländern und Migranten gerade in den sogenannten Neuen Bundesländern verschwindend gering ist, spielt für PEGIDA-Menschen keine Rolle – man denkt und handelt ja in gesammteuropäischen bzw. weltpolitischen Kategorien.

Tatsächlich sind Ostdeutsche politisierter als ihre Verwandten in den sogenannten Alten Bundesländern. Das ist historisch bedingt. Seit 1914 stecken die Ostdeutschen in einer Permanentkrise. 1914-1933: Verlorener Weltkrieg I, Bürgerkrieg, Hyperinflation. 1933-1945: Nazi-Dikatur, verlorener Weltkrieg II. 1945-1989: Sowjetische Besatzung, SED-Diktatur. Im gesammten Zeitraum von 1914 bis 1989 waren die Ostdeutschen permanent Kanonenfutter, Unterdrückte und Hungerleider. Diesen Katastrophenparkur haben bis 1945 auch die Westdeutschen mitgemacht. Dann gab es aber für die Westdeutschen ab 1949 eine ganz anders geartete Entwicklung. Insgesammt 40 überfette Jahre haben in Westdeutschland einen anderen Kulturraum entstehen lassen. In Ostdeutschland sind gute Zeiten – wie etwa die Kaiserzeit 1871-1914 – nicht einmal mehr vom hörensagen bekannt. „Blühende Landschaften“ gab es für Ostdeutsche auch nach 1989 nicht. Schuld daran sind Muslime wie Helmut Kohl, oder Gerhard Schröder. Folgerichtig kann die Parole nur lauten: Islam abschaffen! Muslime regulieren!

In Dresden brachten die PEGIDA-Organisatoren bis zu 20.000 Sympathisanten auf die Straße. In Westdeutschland waren es gleichzeitig in mehreren Großstädten nur wenige hundert. In den Medien wurde zuletzt darüber berichtet dass PEGIDAs auf ihren Demos Symbole der „friedlichen Revolution“ (1989/90) benutzen würden. Wohlmöglich Sprechchöre wie „Wir sind das Volk!“ Das es PEGIDA-Menschen unterschwellig um Bananen und Klopapier geht, darf zumindest vermutet werden.

Während PEGIDA im Freistaat Sachsen ein „identitäres Europa“ fordert, steht das „Friedensprojekt Europa“ wieder vor dem Kollaps. Im griechische Parlament wollte ein gewisser Stavros Dimas Staatspräsident werden. Der Mann bekam aber nicht die nötige Mehrheit. Dimas (Ende der 1960er Jahre Anwalt an der Wall Street und Weltbank-Manager. Ab 1977 bis Anfang der 1990er mehrmals griechischer Minister, u.a. Handel und Industrie. EU-Komissar von 2004 bis 2010.) war sicher Lieblingskandidat von Angela Merkel. Deshalb toben die Bundeskanzlerin und ihre Partei (CDU/CSU) seit Tagen über den ‚Affront‘ des griechischen Parlaments. Nur wenige Stunden nachdem Dimas zum dritten mal keine Mehrheit erhielt, wurden im Kanzleramt „Überlegungen laut“ die einen Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone thematisierten. Gemeinerweise stellte das Kanzleramt die Sache so dar als ob der griechische Oppositionsführer Alexis Tsipras vom Linksbündnis SYRIZA schon immer und besonders jetzt einen Austritt seines Landes aus der Euro-Zone gefordert hätte. Tsipras und seine Partei sind aber keine Euro-Gegner, fordern aber entschieden einen Schuldenschnitt für Griechenland. Das fiese Foul wurde aber von den Medien schnell bemerkt. Es handelte sich also um die üblichen mafiösen Methoden „führender Politiker“; das griechische Wahlvolk sollte eingeschüchtert werden. (Alexis Tsipras bezichtigt Bundesregierung der Lüge)

PEGIDA und die Rettung des Abendlandes. PEGIDA und Griechenland. Da kommen unweigerlich Assoziationen auf. Schließlich sollte sich ein „identitäres Europa“ auch auf die gemeinsame Geschichte besinnen.

identitaer_europaDie „Geburt Europas“ wird bekanntlich im Antiken Griechenland verortet. Etwa 2000 v. Chr. wanderten indoeuropäische Stämme aus nördlichen Gebieten kommend (wer weiss; vielleicht aus dem heutigen Sachsen?) in den ägäischen Raum ein. Hier vermischten sie sich mit der, in antiken Quellen als „Pelasger“ bezeichneten, angestammten und nicht-indoeuropäischen Bevölkerung. Es entstand die sogenannte Mykenische Kultur; die erste hellenische (griechische) Hochkultur. Die Blüte dieser ersten europäischen Hochkultur ist auch der Minoischen Kultur auf Kreta zu verdanken. Von den Minoern übernahmen die mykenischen Hellenen entscheidende zivilisatorische Impulse. Die Minoer waren keine Indoeuropäer. Sie stammten wahrscheinlich aus dem vorderasiatischen Raum und hatten zudem starke kulturelle Verbindungen zum Alten Ägypten. Vielleicht handelte es sich bei den Minoern um Semiten; eventuell um Proto-Phönizier. Daran könnte der Mythos von der Entführung der libanesischen Dame Europa durch den griechischen Gott Zeus in Stiergestalt erinnern. Etwa um 1300 v. Chr. ging diese ägäische und damit auch erste europäische Zivilisation unter. Über die Gründe streiten und forschen Historiker und Archäologen noch. Auffällig ist aber der zeitgleiche Untergang vieler wichtiger Metropolen der bronzezeitlichen Welt von den Gestaden des Ägäischen Meeres über Kreta bis Syrien. Dabei handelte es sich zumeist um kriegerische Angriffe. Woher die Angreifer kamen und was genau aus ihnen wurde ist weitgehend unbekannt. Halbwegs ausführlich berichten nur ägyptische Quellen über diese „Seevölker“. Und nur Ägypten konnte deren Invasion zurückschlagen. Vielleicht wurden diese Invasionen und Kriege durch den Ausbruch eines Vulkans auf der ägäischen Insel Thera ausgelöst. Der Ausbruch soll derart gewaltig gewesen sein dass im Anschluß ein Tsunami auch die minoischen Küstenstädte auf Kreta schwer in Mitleidenschaft zog. Die staatlichen Strukturen wurden vielerorts auf ein Minimum bzw. primitiven Zustand zusammengestutzt; das beweisen archäologische Grabungen auf Kreta und in Griechenland für diese Zeit. Flucht und Hunger müssen diesen Zerstörungen unweigerlich gefolgt sein. Die Zeit von 1300-800 v. Chr. wird von den Historikern auch deshalb „Dunkle Jahrhunderte“ genannt, weil es praktisch keine schriftlichen Zeugnisse aus dieser Periode gibt. In dieser Zeit verschwanden die Minoer völlig aus der Geschichte und die Mykener gaben die Schrift auf, die sie gerade erst von den Minoern übernommen hatten. Um 800 v. Chr. gibt es dann wieder einen zivilisatorisch Neuanfang. Es ist die Homerische Zeit. Die Hellenen schreiben wieder; diesmal haben sie die Schrift von den semitischen Phöniziern übernommen. Um 500 v. Chr. blüht die griechische Staatenwelt auf. Das nach dem Athenischen Staatsmann Perikles benannte Zeitalter bringt der hellenischen Kultur unsterblichen Ruhm. Unter Führung von Sparta und Athen treten die Hellenen dem Machtanspruch des persischen Großkönigs erfolgreich entgegentreten. Doch Perikles war es auch der einen Krieg mit Sparta um die Vorherrschaft in der hellenischen Welt für alternativlos erklärte. Der Krieg laugte beide Seiten derart aus dass sich nur etwa ein Jahrhundert später praktisch die gesammte hellenische Welt den nicht-hellenischen Makedonen unterwerfen mußte. (Peloponnesischer Krieg)

Wer wissen will wie es mit den Alten Griechen und dem Abendland weiterging kann sich leicht weiterinformieren. (Der Grundtenor bleibt zwar immer gleich, aber die Einzelheiten sind sehr spannend!)

Nun, auch wir leben in „historischen Zeiten“. Soll heißen: Wir befinden uns in einer entscheidenden Phase der Geschichte. Dank der hypermodernen Globalisierung betrifft diese Phase die gesammte Menschheit, den ganzen Planeten gleichzeitig. Wenn Europa seine „Stellung in der Welt“ behalten will muß bald etwas einschneidendes passieren.

Ist es da nicht wie ein Wink des Weltgeistes wenn heute die Quelle der abendländischen Zivilisation derart gedemütigt am Boden liegt und gleichzeitig Mutbürger aus Sachsen für ein „identitäres Europa“ auf die Straße gehen?

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