Volksrevolution in der Türkei – Bürgerkriegsgefahr in den USA

Hätten die Putschisten in der Nacht vom 15. zum 16. Juli 2016 ihr wichtigstes strategisches Ziel, die Festsetzung Präsident Erdoğans, erreicht, wären die offiziellen Reaktionen der selbsternannten Internationalen Staatengemeinschaft (IS) ganz anders ausgefallen. Washington, Brüssel, Berlin, Paris und London hätten ‚zur Deeskalation der Situation‘, ‚der schnellen Rückkehr zu demokratisch-rechtsstaatlichen Strukturen‘ aufgerufen und Präsident Erdoğan (falls dieser überhaupt die Gefangennahme überlebt hätte) den Rücktritt ’nahegelegt‘. Diese Masche hatte zuletzt in Ägypten perfekt funktioniert. In der Türkei kam es aber ganz anders. Präsident Erdoğans Aufruf an das Volk, den Putschisten nicht zu weichen wurde zur Generalprobe einer islamischen Volksrevolution in der Türkei. Millionen gingen auf die Straßen, stellten sich mit bloßen Händen Panzern entgegen, blockierten Kasernen und sprachen lauthals ihre Meinung aus. Die Geschehnisse können schon jetzt als historisch bezeichnet werden.

Die prowestlichen Auftragskiller gehören nach derzeitigen Erkenntnissen überwiegend zur Anhängerschaft des im Westen allseits beliebten und protegierten „Dialog- und Toleranz“-Priesters Fethullah Gülen. Unter den Putschenden Offizieren können aber auch Reste extremistischer Ataturkisten sein. Zuletzt hatten sich auf Anweisung ihrer atlantischen Herren Gülenisten und Ataturkisten verbrüdert. Die sicher noch lange andauernde juristische Aufarbeitung der Vorgänge vom 15./16. Juli wird über diesen Punkt noch so einiges ans Tageslicht bringen.

Der Versuch eine prowestliche Militär-Junta zu errichten um Präsident Erdoğan zu stürzen erschien im allgemeinen dilettantisch. Das lässt sich aber weniger auf Vorbereitung und Entschlossenheit der Putschisten zurückführen. Vielmehr kam den Putschisten ein Faktor in die Quere mit dem sie nicht gerechnet hatten: Das Volk.

Daneben können (in aller Kürze) folgende weitere Faktoren aufgezählt werden: Die Putschisten hatten nicht die Unterstützung des türkischen Generalstabs. Obwohl sie es zunächst schafften den Generalstabschef Hulusi Akar festzusetzen. Unter Todesandrohungen und Folter weigerte sich Generalstabschef Akar tapfer einen Aufruf der Putschisten an die Steitkräfte zu unterschreiben. Zudem verkündete sein erster Stellvertreter Ümit Dündar seine Loyalität zur gewählten Regierung und arbeitete in den kritischen Stunden zielstrebig an der Niederschlagung des Putschversuchs. Ministerpräsident Binali Yıldırım war nach Bekanntwerden des Putschversuchs auf seinem Posten und versprach den Putschisten für ihren landesverräterischen Akt härteste Bestrafung. Generalstabschef Akar wurde im Laufe der Nacht vom 15./16. Juli durch ein Spezialkommando der Streitkräfte befreit. Nicht nur das Offizierscorps verweigerte sich mehrheitlich dem Putschversuch, auch die Mannschaftsränge verweigerten mehrheitlich die Befehle als der wahre Sinn der „Übungen“ ersichtlich wurde.

Wohl in den Nachmittagsstunden des 15. Juli wurde Präsident Erdoğan vom türkischen Auslandsgeheimdienst (MİT) über eine kurz bevorstehende staatsgefährdende Aktion unterrichtet. Dieser Umstand war entscheidend. Die Putschisten bekamen die verschärften Sicherheitsvorkehrungen um den Präsidenten ebenfalls mit und waren gezwungen früher loszuschlagen. Ursprünglich planten die Putschisten ihre verräterische Aktion um 04:00 Uhr des 16. Juli; zu einem Zeitpunkt als sich das Land nichtsahnend in tiefem Schlummer befand. Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit war das Überraschungs- und Überrumplungsmoment für die Putschisten existenziell.

So begann der Putsch am 15. Juli gegen 22:00 Uhr. Der Zugriff auf die Person des Präsidenten misslang den Putschisten. Als die Putschisten den Urlaubsort des Präsidenten in Marmaris stürmten, war Präsident Erdoğan gerade auf dem Flug nach Istanbul um von dort den Widerstand zu initiieren. Nach eigener Aussage des Präsidenten verfehlten ihn Gülens Schergen nur um 15 Minuten. Desweiteren hatten die Putschisten keinen direkten Zugriff auf landesweit sendende Medien. Sie stürmten zwar den staatlichen Sender TRT in Ankara und ließen mit vorgehaltener Waffe eine Verlautbarung verlesen, doch nachdem das Volk durch den Aufruf Präsident Erdoğans zum Widerstand massenhaft auf die Straßen ging, wurde schnell klar dass niemand gewillt war ‚Ruhe und Ordnung zu bewahren und in den Häusern zu bleiben‘. In den Monaten vor dem Putsch hatten die Gülenisten ihre wichtigsten medialen Instrumente (z.B. die Tageszeitung Zaman und den TV-Sender Samanyolu) verloren. Das damalige Gegeifer um angebliche Meinungsfreiheit (besonders aus dem Westen) sollte nach dem Putschversuch der Gülen-Clique besonders zu denken geben. Sender wie TRT, die von den Putschisten besetzt wurden, wurden vor allem durch das Volk gestürmt und befreit. Neben den Blockaden von Kasernen, war der Schutz der Medien durch das Volk ein entscheidender strategischer Schlag gegen die Putschisten. Die ataturkistischen Medien (z.B. die Tageszeitungen Cumhuriyet, Aydınlık, und Sözcü oder der TV-Sender Kanaltürk) sind zu marginal und genießen bei der Bevölkerungsmehrheit ohnehin keinerlei Glaubwürdigkeit. Von kleineren Manipulationsversuchen abgesehen hatten diese Kreise auch schnell die Hosen voll als die Geschehnisse in Richtung islamische Volksrevolution gingen.

Zu den medialen-propagandistischen Umständen des Putschversuchs noch eine delikate Einzelheit: um 21:35 (GMT) veröffentlichte die us-amerikanische „Denkfabrik“ Stratfor eine gezielt desinformative Meldung. Derzufolge sei Präsident Erdoğan nach einer Zwischenlandung in Istanbul auf dem Flug nach Deutschland. Stratfor wußte(!) sogar schon dass der türkische Präsident um politisches Asyl in Deutschland nachgesucht habe. Stratfor berief sich dabei auf „hochrangige US-Militärs“. Stratfor wird von Kritikern auch als „Schatten-CIA“ bezeichnet. Der Gründer und Direktor George Friedman verfügt über gute Drähte zur US-Army sowie diverse akademische Kreise. Friedmans „Schatten-CIA“ fungierte während der kritischen Stunden des 15./16. Juli offen als psychologischer und investigativer Unterstützer der Putschisten. (Türkei sammelt Hinweise auf US-Verbindungen zum Putsch). Die bewußte Falschmeldung wurde auch vom Twitter-Account des privaten Nachrichtendienstes verbreitet. Dort fallen explizit Deutschlandfeindliche Kommentare von Stratfor-Followern auf. Friedman ist ebenfalls schon mehrfach durch Deutschlandfeindliche Aussagen und „Prognosen“ aufgefallen. (Spielt Deutschland ab 2050 keine Rolle mehr?)

Besonders nach dem missglückten Zugriff auf Präsident Erdoğan versuchten die Putschisten durch brutale Waffengewalt Regierung und Volk einzuschüchtern. Auf die Menschen die sich natürlich unbewaffnet den Panzern entgegenstellten wurde scharf geschossen, unter anderen wurde das Gebäude der Nationalversammlung sowie das Hauptquartier des Auslandsgeheimdienstes (beide in Ankara) durch Kampfhubschrauber bombardiert. Nach diesen feigen Luftangriffen schaltete die regierungstreue türkische Luftwaffe sämtliche feindlichen Luftbewegungen über dem Regierungsviertel in Ankara aus. Im offenen Kampf hatten die Gülenisten keine Chance. Insgesamt fielen den Angriffen der Putschisten 246 türkische Staatsbürger zum Opfer. Davon 179 Zivilisten. (Quelle: Nachrichtenagentur Anadolu vom 22.07.2016)

Genau das meinte Präsident Erdoğan als er von einem „Geschenk des Himmels“ sprach. Das Gülen-Netzwerk hatte sich aus der Deckung gewagt und zeigte endlich sein wahres Gesicht.

Die Putschisten hatten eine Liste mit den Namen von 400 militärischen und zivilen Beamten erstellt, die als Führungsriege der prowestlichen verräterischen Junta fungieren sollten. Mit der Niederschlagung des Putschversuchs fiel den türkischen Behörden auch diese Liste in die Hände. Der Großteil dieser Personen wurde inzwischen der Justiz zugeführt. Nicht nur über diese Liste hat die türkische Regierung einen guten Überblick über die westlichen Einflußagenten in der Türkei. Der entscheidende Schlag gegen Gülens verbliebene Sektenjünger an Schaltstellen des türkischen Staatsapparats wäre Ende August erfolgt. Die nachrichtendienstlichen und juristischen Vorbereitungen dazu laufen teilweise schon seit Jahren. Das erklärt auch die große Zahl der inzwischen verhafteten Staatsbediensteten. An der Verhaftungs- und Entlassungswelle ist also nichts „willkürlich“ wie westliche Politiker und Medien in manipulativer Absicht behaupten. Mit dem Putschversuch versuchten die Gülenisten nicht zuletzt auch ihre finale Enthauptung in letzter Minute noch abzuwenden. Mit der Gülenistischen Paralellstruktur innerhalb des türkischen Staatsapparats verliert der Westen ein bedeutendes Manipulations- und Angriffsinstrument.

Daher rührt die momentane Panikstimmung in westlichen Diplomaten, Politiker- und Medienkreisen. Unter denen die derzeit versuchen Gülens Überreste zu bergen und immer noch meinen der Türkei drohen zu können seien hier stellvertretend nur zwei Figuren genannt.

Unter den ersten die in der deutschen Medienlandschaft ans Mikro sprangen waren Omid Nouripour und Elmar Brok. Am Morgen nach dem Putschversuch beschwörte Nouripour noch die angebliche Gefahr eines Bürgerkriegs in der Türkei. Laut Nouripour könnte es dazu kommen wenn die türkischen Streitkräfte in feindliche Lager auseinanderfallen würden. Was da im stereotypen Politiker-Betroffenheitstonfall (Nouripour durfte übrigens als Listennachfolger Joschka Fischers für B90/Grüne in den Bundestag einziehen) ausgesprochen wurde, sollte eigentlich besagen: ‚Erdoğan soll nicht glauben er sei ein für allemal davon gekommen, wir können die Türkei jederzeit in einen Bürgerkrieg lenken.‘ Solche unterschwelligen Drohungen sollen in der deutschsprachigen Öffentlichkeit auch das Image einer instabilen Türkei befördern. Wie so viele seiner Zunft ist auch Nouripour ein geübter Manipulator; schon bezüglich seiner akademischen Laufbahn setzte er sich Titel auf die er garnicht erworben hatte.

Bei seinen massenhaften Verlautbarungen und Interviews am Tag nach dem Putschversuch blieben Nouripours aussagekräftige Tiefenverbindungen unerwähnt.

Omid Nouripour ist Vorstandsmitglied bei der Atlantikbrücke e.V. sowie Vorstandsmitglied Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.. Zu Nouripours Amerikahörigkeit paßt auch seine langjährige Tätigkeit für das Forum für interkulturellen Dialog e.V. (FID). Der Verein gehört zur deutschen Sektion der global für den US-Imperialismus agierenden Gülenisten. (Imam Gülens Einfluss reicht bis in die deutsche Politik) Nouripour war und ist (ganz im Sinne seiner atlantischen Agententätigkeit) auch ein Scharfmacher in der Ukraine-Frage.

Für Eskalation in der Ukraine hat auch der Christdemokrat Elmar Brok gesorgt. Der langjährige EU-Parlamentär bezeichnete während der Unruhen in der Ukraine die US-Agenten Vitali Klitschko (der auch in Tiefenverbindung zur CDU/CSU steht) und Arsenij Jazenjuk als perfekte bzw. ideale Besetzung für die höchsten Ämter der Ukraine. Jazenjuk war auch der Lieblingskandidat der US-Botschafterin Nuland.(„Die Demokratisierung ist eher ein Kollateralnutzen“) Beide Marionetten haben bekanntlich total abgewirtschaftet. Das spricht nicht gerade für gute Personalplanung bei den Atlantikern. Davon abgesehen ist die Ukraine von den atlantischen Freunden ins totale Bürgerkriegschaos manövriert worden. Obendrauf besteht seit der Farbenrevolution in der Ukraine hohes Kriegspotential zwischen NATO und Russland.

Paralell zu seiner Politkarriere arbeitete Brok für die Bertelsmann AG. Für das berüchtigte Medienunternehmen soll Brok seinen politischen Einfluß als EU-Parlamentär eingesetzt haben. Der Verfassungsrechtler und scharfe Kritiker der deutschen Parteienoligarchie Herbert von Arnim bezeichnet die Methode-Brok als „legale Korruption“. („Spitze des Eisbergs“)

Brok ist bemüht den Verdacht vom terroristischen Gülen-Netzwerk abzulenken. Auf die Frage was er von den Schuldzuweisungen gegen Gülen halte, sagte er: „Es ist nicht völlig auszuschließen, aber ich glaube das nicht.“ Weiter sagte Brok: „Präsident Erdogan wird die Situation erstens nutzen, um die Streitkräfte noch stärker auf sich auszurichten und die ihm nicht zugeneigten Kräfte zu entfernen. (…) Die Streitkräfte waren die tragenden Kräfte des Systems, das der Staatsgründer Kemal Atatürk errichtet hat. Es mag sein, dass wir jetzt das endgültige Ende dieses kemalistischen Systems erleben. Die letzten Wälle des Säkularismus werden abgeräumt.“ Wie in den Fällen Klitschko und Jazenjuk gehen Brok die Agenten aus. Brok scheint ein fatales Talent dafür zu haben immer auf die falschen Gäule zu setzen.

Nouripour und Brok; zwei Netzwerker für Destabilisierung, Bürgerkrieg und psychologische Kriegsführung. Mit solchen Volksvertretern haben es Deutschland und EU wahrlich weit gebracht. Überhaupt sind solche atlantischen Überzeugungstäter schnell mit Bürgerkriegsdrohungen im Äther wenn es um ihre Pfründe geht. So hatte auch der überzeugte Europäer Lech Walesa nach dem Wahlsieg der national-konservativen PiS in Polen sofort die übliche Bürgerkriegslitenai angestimmt. (Nach Regierungswechsel in Warschau – Lech Wałęsa warnt vor Bürgerkrieg in Polen)

Ganz anders sieht es übrigens bei einem wirklich Bürgerkriegsgefährdeten Land wie den USA aus. Im Fall der rassistisch motivierten Polizeigewalt gegen afrikanischstämmige Bürger in den USA schauen die westlichen Politmanipulatoren wie auch die angeblich freien Pressevertreter gerne weg. Niemand von diesen Leutchen hat jemals auch nur auf die Gefahr eines rassistisch motivierten Bürgerkriegs in den USA hingewiesen oder gar die amerikanischen Zustände ernsthaft zu kritisieren gewagt. Man bedenke: Medienberichten zufolge sollen allein in diesem Jahr monatlich rund 50 afrkanischstämmige US-Bürger durch Polizeikugeln getötet worden sein. (Die Gewalt der Konkurrenz – Warum US-Polizisten schwarze Bürger töten) Aber die USA sind schließlich ein „Rechtsstaat“. So konstruiert die globale politisch-mediale Oligarchie Wirklichkeiten. Die vielfältigen Krisen in den USA deuten aber viel mehr in Richtung staatlichen Zusammenbruch.

Nachdem der Griff zur totalen globalen geopolitischen Herrschaft durch die Kriege in Afghanistan und dem Irak gescheitert ist, müssen die amerikanischen Eliten um ihr Überleben fürchten. Die nationalen und internationalen Widersprüche verschärfen sich zusehends. Amerika wird deshalb immer aggressiver vorgehen. Die us-amerikanische Oligarchie weiß nur zu gut wie fatal eine unabhängige Türkei auf ihre ökonomischen, politischen und kulturellen Machtansprüche in Eurasien (und weltweit) einwirken würde.

Die Türkei ist kein Operettenstaat wie Ägypten oder die Ukraine. Bisher haben alle vom Westen initiierten Gewaltausbrüche in der Türkei – die Gezi-Park-Fuzzys, die terroristische PKK oder zuletzt die Gülenistischen Militärs – immer das Gegenteil bewirkt. Präsident Erdoğan konnte seine Position jedesmal weiter festigen und die Bevölkerung der Türkei wurde sich jedesmal der eigentlichen Strippenzieher immer bewußter. Nach dem Sieg über die Putschisten ist der Kampfwille von Regierung und Volk geradezu sagenhaft geworden. Es geht in Richtung Revolution. Die Reaktionen aus der ganzen sunnitisch-muslimischen Welt zu den Geschehnissen vom 15./16. Juli in der Türkei zeigen diesen Trend ebenfalls deutlich auf.

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