Katar

Seit Juni 2008 ist Yousef al-Otaiba Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in den USA. Seine lange Amtszeit deutet auf bestes Geschäftsklima mit den Amerikanern. Im Juli 2010 Befürwortete Otaiba militärische Angriffe gegen iranische Kernkraftwerke. Ein solcher fataler Angriff wird ansonsten nur von Israel gefordert. Aufgrund der strategischen Symbiose der USA und der EU mit dem Iran in den Kriegsgebieten Irak und Afghanistan seit etwa 2005 wurde der Iran aus der ursprünglichen Angriffsliste die von der Bush-Administration konzipiert wurde herausgenommen. Die Krönung dieser Bündnispolitik des Westens mit dem Iran war das Atomabkommen von 2015. Zuletzt feierten westliche Medien die Wiederwahl des iranischen Präsidenten Rohani enthusiastisch. Zwar rüstet der Westen weiterhin die arabischen Golfstaaten mit milliardenschweren Waffenverkäufen gegen den Iran auf, doch ein Krieg gegen den Iran ist für die westliche Kriegskoalition auf unabsehbare Zeit nicht auf der Tagesordnung. Die Überlebensstrategie der westlichen Kriegskoalition in der Kriegszone zwischen Hindukusch und Westafrika geht vor und hier decken sich nun mal die Ziele des Westens mit dem Iran. Aufgrund der fehlenden prowestlichen Massen in den Kriegsgebieten setzt der Westen auf schiitische Minderheiten im Irak und Afghanistan die vom Iran gesteuert werden. Zunächst konnte die westliche Kriegskoalition durch diese Annährung an den Iran die eigene Position im Irak und Afghanistan bis etwa 2010 stabilisieren. Mit dem Arabischen Frühling der zum kurzfristigen Zusammenbruch prowestlicher arabischer Regime führte und nur schwer kompensiert werden konnte, dem Ausbruch des Syrischen Krieges, der russisch-iranischen Intervention in Syrien sowie der iranischen Intervention in den schiitisch-sunnitischen Bürgerkrieg im Jemen, kam es zu ernsthaften Brüchen im westlich-iranische Bündnis. Besonders Israel scheint grosses Interesse daran zu haben den Iran wieder auf die Liste der „Schurkenstaaten“ zu setzen. Mit Blick auf die Stellvertreterkriege in Syrien und der Ukraine und den Spannungen in Korea und dem Südchinesischen Meer zwischen dem Westen und dem Bündnisblock China-Russland-Iran ist diese jüngste Entwicklung nicht sehr überraschend. Das nun der kleine Golfstaat Katar von allen arabischen Nachbarn drangsaliert wird, gehört sicher auch in diese Kriegsstrategie.

Zurück zu Botschafter Otaiba in Amerika. Ein Hacker-Angriff auf Otaibas E-Mail-Konto führte zu einem Datenleck. Aus den entwendeten E-Mails gehen unter anderem auch Otaibas konspirative Kontakte zur us-amerikanischen israelischen Lobbyorganisation FDD (Foundation for Defence of Democracies) hervor. Von den Hackern wurden die Daten an diverse Onlinemedien wie The Intercept, Huffington Post und The Daily Beast verschickt. The Intercept zufolge sollen die Hacker eine E-Mail-Adresse benutzen die auf Russland verweist. Die Hacker hätten zudem angedeutet dass sie in Verbindung zu Hackern stehen auf deren Konto auch auch die Hackerangriffe auf Hillary Clintons Demokratische Partei während des letzten US-Wahlkampfs gehen. Otaibas Kontaktmänner vom FDD waren Mark Dubowitz und John Hannah. Die FDD darf zu den besonders einflussreichen prozionistischen Lobbyorganisationen aus den USA gezählt werden. Unter den Gründern und Mitgliedern befinden sich mächtige jüdisch-amerikanische Oligarchen. Michael Steinhardt z. B. gehört zu einem der einflussreichsten jüdisch-amerikanischen Clans. Sein Vater war „Geschäftspartner“ des legendären jüdisch-amerikanischen Mafiapaten Meyer Lansky. Oder etwa das leibhaftige Klischee vom jüdischen Finanzspekulanten, Paul Singer. Nur wenige Tage nachdem Otaibas E-Mails an die Öffentlichkeit kamen und die jüdisch-amerikanisch-arabische Connection aufflog (europäische Medien berichteten wie gewohnt nicht darüber) eskalierte die Situation am Persischen Golf.

Wie aus dem E-Mail-Verkehr hervorgeht, hatten Otaiba und seinen FDD-Kontaktleute besonders Katar im Visier. Katars diplomatische Kontakte zum Iran und der mediale Einfluss über den Sender Al-Jazeera den Katar nicht nur in die arabischsprachige Welt aussendet, sind den jüdisch-amerikanisch-arabischen Freunden ein Dorn im Auge. Während die anderen Ölscheichtümer aufgrund der blutigen Konflikte im Irak, Syrien und Jemen ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran komplett abbrachen, zeigte Katar eine beeindruckende Eigenständigkeit und hielt die Kontakte zum Iran aufrecht. Dabei ist Katar aber keinesfalls ein Verbündeter des Iran. Wie die anderen Golfstaaten, so unterstützt auch Katar besonders in Syrien die sunnitischen Kräfte gegen das Assad-Regime und dessen Schutzmächte Iran und Russland. Auch die militärische Zusammenarbeit Katars mit der Türkei ist nicht zuletzt gegen den iranischen Einfluss in der Region gerichtet. Destabilisierend für die prowestlichen arabischen Potentaten wirkt sich aber der Sender Al-Jazeera aus. Die kritische Berichterstattung des Senders hat in der arabischen Welt zu einem Wandel des politischen Bewusstseins geführt und den Arabischen Frühling angestoßen; sehr zum Nachteil des Westens und seiner arabischen Marionetten. Bisher ließ sich Katar von Drohungen und Repressalien nicht von seinem mutigen Unabhängigkeitskurs bringen. Katar und die Türkei sind zudem die einzigen muslimischen Länder in der Region die den verfolgten Muslimbrüdern Schutz gewähren. Wohl ein weiterer Dorn im Auge des Westens und seiner arabischer Lakaien.

Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten brachen am 05. Juni 2017 die diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Ob dieser Schritt mit den USA abgesprochen war, wie westliche Mainstreammedien mit Verweis auf den kürzlichen Besuch von Präsident Trump in der Region spekulierten, ist nicht klar. Nur einen Tag nach dieser Zuspitzung auf dem diplomatischen Parkett, sprach das FBI von einem „Missverständnis“; angeblich hätten russische Hacker auch noch die staatlichen katarischen Medien infiltriert und eine Verlautbarung des katarischen Staatsoberhaupts mit Bezug zum Iran manipuliert. Dabei soll eine äußerst proiranische Stellungsnahme herausgekommen sein. Diese Geschichte mutet nicht nur deshalb kurios an weil statt des us-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA oder der Abhörspezialisten vom NSA, das FBI sich zu Wort meldete. Das FBI macht zudem den Eindruck als wollten die Amerikaner die Ereignisse herunterspielen bzw. deeskalieren. Die Anschuldigung des FBI richtet sich unausgesprochen natürlich gegen den russischen Auslandsgeheimdienst FSB. Die Intervention des FBI scheint sich gleichzeitig an die Adresse der Verbündeten (Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten) zu richten. Sollten die Angaben des FBI richtig sein, könnte es sein dass die Amerikaner wütend über ihre Verbündeten sind weil diese auf eine russische Provokation hereinfielen und somit die ohnehin angespannte Situation in den Kriegsgebieten nur noch komplizierter machen. Eine weitere Frage wäre, ob das FBI, d. h. die tiefenstaatlichen Strukturen der USA und Trump hierbei an einem Strang ziehen oder ob Trump seine proisraelische und antiiranische Agenda eigenmächtig vorantreibt.

Ob das ganze diplomatische Geplänkel nun ein „Missverständnis“ bzw. eine russische Provokation war oder von der jüdisch-amerikanisch-arabischen Connection um Otaiba und der FDD eingefädelt wurde, bleibt zunächst ungewiss.

Heute (08. Juni) wurde bekannt dass die Türkei weitere 500-600 Soldaten nach Katar entsenden wird. Derzeit befinden sich etwa 100 türkische Soldaten in Katar. Die türkische Militärmission soll langfristig in Katar bleiben und den Aufbau katarischer Streitkräfte unterstützen. Gleichzeitig bot sich Präsident Erdoğan als Vermittler zwischen den streitenden Golfstaaten an.

Quellen/Verweise:

Hacked emails show top UAE diplomat coordinating with pro-Israel think tank against Iran

Hackers vow to relwase apparent trove of UAE ambassadors emails

Foundation of Defense of Democracies

Atomabkommen – Trumps doppelte Iran-Strategie

Katar: Widersprüchliche Äußerungen aus der US-Administration

FBI soll Fake News vermuten – Die Katar-Krise – das Werk russischer Hacker?

Konflikt mit Saudi-Arabien: Erdogan auf Seite von Katar: Türkei schickt Truppen ins Emirat

Naher Osten: Kuwait und Türkei wollen im Katar-Konflikt vermitteln

Nachtrag (15.08.2017): Die dubiosen Auslöser der Katar-Krise sind bisher kaum bis zu den deutschsprachigen „Qualitätsmedien“ durchgedrungen. Bei Telepolis erschien ein Bericht über Propaganda-Investitionen der VAE in den us-amerikanischen Think-Tank „Middle East Institute“. Für Telepolis ist die Katar-Krise nur am Rande erwähnenswert; der eigentliche „Aufreger“ sind die PR-Investitionen. Die Neue Zürcher Zeitung hat immerhin herausgefunden dass die Katar-Krise von der VAE „orchestriert“ wurde und schiebt auch Otaiba in den Focus. Beide (angeblich unabhängigen) Medien erwähnen aber die Rolle Israels bzw. der jüdisch-amerikanischen Freunde Otaibas mit keiner Silbe. Aus Otaibas gehackten E-Mails gehen übrigens auch merkwürdige Finanzgeschäfte hervor.

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